Die Elting‘sche Kaffeetafel

Ein Stadtteil zeigt, was er kann

„Das große Engagement, die vielen Freizeit-, Begegnungs- und Beratungsmöglichkeiten des Viertels sollten anderen Interessierten vorgestellt und der Stadtteil, der Viel und viel Unterschiedliches zu bieten hat, präsentiert werden.“

Kaffeetafel? Die verortet man für gewöhnlich im Bergischen Land. Mit Jahrhunderte alter Tradition werden dort bis heute bunt gemischte Speisen als Bergische Kaffeetafel angeboten. Man kommt für einige Stunden zusammen, isst, trinkt, unterhält sich. Gastlichkeit und Gemütlichkeit sind häufige Assoziationen. Einige Bewohner*innen des Nordviertels haben das aufgegriffen und sich aufgemacht, etwas Ähnliches zu organisieren – das ist eine Form der Veranstaltung, die auch hervorragend ins Ruhrgebiet, in ihr Eltingviertel passt. Im Rahmen des quartiereigenen Bewohnerstammtisches, bei dem neben den Ortsansässigen auch das ISSAB mit seiner Stadtteilmoderation sowie der Fachbereich 68, das Amt für Stadterneuerung und Bodenmanagement vertreten sind, um Themen und Probleme im Stadtteil zu diskutieren, ist die Idee dazu geboren worden. Das große Engagement, die vielen Freizeit-, Begegnungs- und Beratungsmöglichkeiten des Viertels sollten anderen Interessierten vorgestellt und der Stadtteil, der viel und viel Unterschiedliches zu bieten hat, präsentiert werden. Das alles sollte jedoch nicht nur einen Ausstellungs- oder Messecharakter haben, sondern auch ermöglichen, sich bei Kaffee und Kuchen zu unterhalten, ähnlich dem bergischen Original. Eine gesellige Kaffeetafel also, mit Elting‘schem Charakter.

Die Besonderheit dieser großen Außenveranstaltung lockte jedoch auch Menschen aus weiteren Stadtteilen Essens an, die teilweise das erste Mal das Nordviertel besucht haben.

Da neben einer engagierten Zivilgesellschaft auch diverse Fachbereiche der Stadt sowie Konzerne wie RWE und STEAG mit Anliegen und Bemühungen um eine Entwicklung des Eltingviertels betraut sind, wurde die Idee der Kaffeetafel um eine Beteiligung auch dieser Partner erweitert. Die Entwicklung des Viertels, auch die baulichen Investitionen inmitten des Stadtteils oder in direkter Nachbarschaft sind von großer Relevanz für die Bürger*innen vor Ort. Nicht selten bestehen Sorgen, nicht immer sind Pläne aus ihrer Sicht transparent. Um dieser Herausforderung, die mit Stadtteilentwicklung häufig einhergeht, zu begegnen, wurden daher auch Akteure aus diesen Bereichen eingeladen, sich mit ihren Projekten und (baulichen) Plänen dort vorzustellen und für Fragen zur Verfügung zu stehen. Als Datum für eine solche Kaffeetafel hat sich der Tag der Städtebauförderung am 11.5.2019 angeboten. Auf Gemeinschaftsinitiative des Bundesbauministeriums, der Länder, des Deutschen Städtetags und des Deutschen Städte- und Gemeindebundes findet dieser Tag bundesweit mit vielen Veranstaltungen statt. Städte sollen hier Projekte, Strategien und Ziele der Städtebauförderung vorstellen und gleichzeitig ihre Bürger*innen einladen, an diesen Entwicklungen mitzuwirken und sich zu beteiligen. Zudem zeigt sich auch das Nordviertel im Frühling mit seinen Grünflächen und Parks, insbesondere der als Veranstaltungsort auserkorene Eltingplatz mit angrenzender Eltingstraße, von seiner schönsten Seite. Ein guter Platz für eine frühsommerliche, fein gedeckte Kaffeetafel.

Thomas Kufen

Essens Oberbürgermeister spricht ein Grußwort.

Für die Vorbereitung wurden sowohl die bürgerschaftlichen Runden an dieser Stelle durch die für das Viertel zuständige Stadtteilmoderatorin Gabi Wittekopf als auch die beteiligten Fachämter und Konzerne durch die Gebietsbeauftragte Ingrid Ratay begleitet. Mit einer Vielzahl Beteiligter und vielen helfenden Händen sowie der finanziellen Unterstützung der Veranstaltung aus Städtebaufördermitteln „Soziale Stadt“ konnte das gemeinsame Kaffeetrinken mit großem Erfolg realisiert werden.

 

Die festliche Dekoration, die schön geschmückten Tische, die zahlreichen Aussteller – hier wurde deutlich: Dieser Stadtteil kann etwas, wir haben etwas zu bieten. Der Essener Oberbürgermeister war zugegen, vor allem aber viele Besucher*innen. Diese kamen oft aus dem direkten Umfeld.

Menschen, die sich sonst im Alltag nicht begegnen, konnten miteinander ins Gespräch kommen und so ein wenig über ihren Tellerrand schauen oder Vorbehalte überprüfen – und abbauen

Die Besonderheit dieser großen Außenveranstaltung lockte jedoch auch Menschen aus weiteren Stadtteilen Essens an, die teilweise das erste Mal das Nordviertel besucht haben und sich auf diese Weise einen Eindruck jenseits von Statistiken oder der medialen Berichterstattung verschaffen konnten. Neben dem Verzehr von Kaffee und Kuchen unter alten Bäumen und vor historischen Gebäuden sollte das Vorhaben vorrangig der Informationsvermittlung und dem Kennenlernen der bisher eher als anonym wahrgenommenen Unternehmens- und Planungslandschaft und ihren Akteuren dienen. Damit es daher nicht bei einem vorsichtigen Taxieren der unterschiedlichen Teilnehmer*innen bleibt, wurde zusätzliche Unterstützung organisiert, um bei Bedarf auch wirklich ‚ungewöhnliche‘ Gespräche mit heterogenen Teilnehmer*innen entstehen zu lassen. Mit Hilfe der Theaterkünstlerin Claudia Maurer und ihrer Kollegin Mariela Rossi wurden sechs ‚Kommunikator*innen‘ trainiert, an die sich Besucher*innen wenden konnten und die eigens dafür da waren, Hemmschwellen zwischen den Personen abzubauen und Gespräche zwischen Interessierten zu initiieren. Im Ergebnis ist eine von lokalen ehrenamtlich wie professionell Aktiven gestemmte Veranstaltung gelungen, bei der Bürger*innen vor Ort Aufmerksamkeit, vor allem aber Wertschätzung für ihr Engagement und für ihr Viertel erfahren haben und gemeinsam einen schönen Nachmittag verbringen konnten. Menschen, die sich sonst im Alltag nicht begegnen, konnten miteinander ins Gespräch kommen und so ein wenig über ihren Tellerrand schauen oder Vorbehalte überprüfen – und abbauen.

Auch auf lange Sicht zeigt die Kaffeetafel Wirkung. Fachbereiche der Stadt, Institutionen und sogar Konzerne haben ein Gesicht bekommen. Sich an dortige Mitarbeiter*innen zu wenden, um Informationen oder Unterstützung zu bekommen – oder um gemeinsam weitere Aktivitäten zu initiieren – fällt nun möglicherweise leichter. Kontaktdaten wurden vermittelt, man ruft sich im Bedarfsfall jetzt einfach mal an. Die Initiative ‚Erhalt Ostermannplatz‘ oder Mitglieder des Bewohnerstammtisches können sich weitere Kooperationen mit den Unternehmen vorstellen. Für diese hingegen hat sich das Nordviertel mit seinen Bewohner*innen als ein freundliches und offenes Quartier gezeigt, in dem sich viel erleben lässt und das man sich auch als potentiellen Wohnort vorstellen kann.

Beteiligte

  • Bewohner*innen
  • Gäste aus anderen Stadtteilen Essens
  • Lokalfieber e.V., „Arbeit neben der Rente“
  • Boulegruppe „Die Schweinchenjäger“ aus dem AWO Seniorenheim am Nordpark
  • „Nordviertelfrauengruppe“
  • Stabsstelle Sauberkeit, „Essen bleib(t) sauber“
  • STEAG, „Umweltfreundliche Fernwärme/Naturwärme“
  • SOS Kinderdorfzentrum Essen, „Dosenwerfen/ Reaktionsspiel“
  • Stadtteilbüro Jugendamt, „Beratungsangebot“
  • Nordvierteltreff Pinguin, „Kletterangebot“
  • FB 69 Wasserwirtschaft/ Regenwasserbewirtschaftung, „Umbau Bernetal“
  • Pfarrei St. Gertrud, „Kirche im Dorf“
  • ICM, „Quartierskonzept Essen-Eltingviertel“
  • FB 61 Amt für Stadtplanung und Bauordnung, „Eltingviertel/ Viehofer Platz“
  • Emschergenossenschaft, „An der Berne wird gebuddelt“
  • FB 66 Amt für Straßen und Verkehr, „Fahrradstraße“ und „Neugestaltung Eltingplatz/ Eltingstraße“
  • Willst du mit mir gehen?, Stadtteilspaziergang
  • Schule am Steeler Tor, „An der Berne wird gebuddelt“
  • EBG Ruhr e.V., Ebru Kunst
  • ISSAB, „Mobile Bildungsbaustelle/ Tiegelino“
  • Viertelimpuls e.V., „Mobilitea“
  • CSE gGmbH, „Internationale Frauengruppe“
  • Stadtteilinitiative „Quartiershausmeister“
  • Stadtteilinitiative „Initiative Erhalt Ostermannplatz“
  • Stadtteilinitiative „Bewohnerstammtisch Buntes Nordviertel“
  • Deutscher Amateur Radioclub e.V., „Freifunk Essen – Völkerverständigung“
  • Kinder- und Jugendtreff Zwingli
  • Stadtteilfabrik, „Werkstatt mit urbanen Rohstoffen“
  • FB 68 Amt für Stadterneuerung und Bodenmanagement, „Stadtteilprojekt Altenessen-Süd/ Nordviertel“
  • elTing – Atelier für Bildhauerei, „Kunstatelier und Kursangebote“
  • Universität Duisburg-Essen, „Future Water Campus“
  • Studierende des Studiengangs Soziale Arbeit, Universität Duisburg-Essen