Wir begrüßen Sie ganz herzlich in unserem Nordviertel in Essen!

Wir begrüßen alle, die sich für Stadtteilarbeit interessieren, sei es, weil sie in ihrer Nachbarschaft schon aktiv sind, ein Projekt haben, oder eines suchen, oder sei es, dass sie sehen möchten, wie sich eine benachbarte Gemeinschaft entwickeln kann. Sie sind eingeladen zu einem visuellen, virtuellen und literarischen Rundgang durch unser Dorf, durch das Nordviertel in Essen, um unsere Kirche St. Gertrud herum, durch unsere Nachbarschaft.

Wir begrüßen alle, die sich für Kirche interessieren, die sich einer Kirchengemeinde zugehörig fühlen oder sehen möchten, was Kirche-Sein heute bedeuten und welche Rolle sie in der heutigen Zeit und in unserer Nachbarschaft spielen kann. Sie sind eingeladen, Kirche ganz neu zu entdecken, an ungewöhnlichen Orten und gemeinsam mit den Menschen, die dort leben und arbeiten.
Wir begrüßen alle unsere Freunde und Förderer, die Sponsoren aus Firmen, Stiftungen und Privatvermögen sowie die Vertreter*innen aus Politik, Gesellschaft und Kirche. Sie sind eingeladen, sich mit Stolz zeigen zu lassen, was durch Ihre Förderung möglich geworden ist.

Und wir begrüßen alle, die in irgendeiner Form in dieser Broschüre vorkommen. Sie sind eingeladen, so lange zu blättern, bis Sie sich an der einen oder anderen Stelle entdecken.

 

Nach diesem Willkommensgruß stellen wir Ihnen Rebecca Radmacher vor, die „Stadtteilkundschafterin“, deren Aufgabe es ist, die Verbindung zwischen Kirche und Dorf herzustellen. Sie nimmt Sie sozusagen mit auf den Rundgang durch einige beispielhafte Initiativen, Gruppen und Einrichtungen im Nordviertel, Essen. Abschließend finden Sie ein Interview mit drei besonderen Akteuren der Stadtteilentwicklung im Nordviertel.

 

Die Broschüre verzichtet mit Absicht weitestgehend auf Fachsprache. Das geschieht zum einen, weil alle Menschen unabhängig von fachsprachlicher Kenntnis angesprochen werden sollen, zum anderen aber, weil Menschen unterschiedlicher Professionen mit unterschiedlichen Fachsprachen aufeinandertreffen: z. B. Stadtentwickler*innen, Sozialarbeiter*innen, Politiker*innen, Theolog*innen. Die drei Hauptakteure dieser Broschüre haben für die interessierten Fachleute jeweils aus eigener Sicht ein kurzes Schlussstatement geschrieben.

 

Wir wünschen Ihnen viel Vergnügen beim Lesen!

Stimmen aus dem nordviertel

8.400 Menschen leben im Essener Nordviertel, viele haben hier ihren Arbeitsplatz. Was verbinden sie mit ihrem Quartier, was gefällt Ihnen gut, was weniger? Welche drei Begriffe verbinden sie mit ihrem Dorf?

Mbadiugha

 

Das ist so was wie mein Zuhause,…

 

Das ist so was wie mein Zuhause, ich bin zwei bis drei Mal in der Woche hier in der Kirche. Wir sind hier wie eine Familie – die Leute sind superfreundlich, wir feiern zusammen, wir essen zusammen, wir sind zufrieden. Was schwierig ist? Manchmal schlafen Leute vor der Kirchentür, arme Leute, das tut mir weh, denn ich kann nichts machen. Aber ansonsten geht es uns hier gut.

Andreas

 

Damals vor 15 Jahren war es schon bunt. Ich nehme an, jetzt ist es noch ein bisschen bunter.

 

Es liegt verkehrsgünstig. Es ist etwas rustikal, das Leben.
Die alten Gebäude, die schmalen Straßen, das ist ein kompakter Wohnbereich. Und das Gemeindeleben … eine ganz kleine deutsche Gemeinde, die wegschmilzt. Also ohne die muttersprachlichen Gemeinden wäre hier schon lange Schicht im Schacht, kann man sagen.
Wir sind deshalb froh, dass sie da sind.

Angela

 

Drei Worte zum Nordviertel? Herzlich, nachbarschaftlich, sozial!

 

Das Nordviertel ist ja ein besonders buntes Viertel mit sehr vielen Nationen und wir bemühen uns hier gerade sehr, alle zusammenzubringen. Wir haben festgestellt, dass die Menschen alle gut miteinander auskommen können über die Kinder. Leute, die schon lange hier wohnen, tun sich manchmal damit schwer, haben Angst. Aber Familien mit Kindern sind offen und aufgeschlossen und über sie bekommt man dann auch die anderen Leute dazu, miteinander zu reden und zu merken, och, das ist ja gar nicht so schlimm. Und das wird hier in St. Gertrud sehr gefördert. Das finde ich gut, weil die Kirche alle mitnimmt. Wir sind offen, die Kirche ist nur das Gemäuer.

Timm

 

Drei Worte zum Nordviertel? Voll. Freundlich. Zentral.

 

Was schwierig ist? Wie die Anwohner mit Müll umgehen. Was schön ist? Die Anwohner ohne das Müllproblem. Eigentlich sind wir eine starke Gemeinschaft. Man kennt viele Leute, man grüßt fast alle, wir fühlen uns hier sehr wohl.

Clement

 

Das Nordviertel? Lebendig, erstaunlich und laut!

 

Hier findet man immer einen Ansprechpartner. Am Viehofer Platz sind so viele Geschäfte, afrikanische und deutsche. Ja, und diese Vielfalt, diese Mischung von Menschen verschiedener Nationalitäten gefällt.

Anja

 

Bunt. Vielfältig. Kreativ.

 

Positiv ist, dass sich hier viel Kreativität und Nachbarschaft etabliert haben. Dass das Viertel für Integration und Zusammenhalt kämpft. Und dass das nicht an allen Stellen gelingt. Dass es immer noch kleine Problemecken gibt mit Sperrmüll und Ähnlichem. Aber ich glaube, dass geschafft worden ist, die Menschen hier im Viertel zu aktivieren, und dass nicht nur jemand von außen drauf guckt, sondern die Menschen mitmachen.

Philip

 

Ich finde die Kirche wunderschön. Das Besondere ist, dass sie so multifunktional genutzt wird…

 

Immer wenn ich hier vorbeigehe, dann sehe ich Leute. Das heißt, die Kirche lebt und das ist, was Kirche tun sollte. Ich komm‘ immer mal vorbei, wenn hier was los ist und ab und zu ergibt sich, dass man mithilft. Es ist einfach schön, das um die Ecke zu haben. Ich persönlich fühl‘ mich sehr wohl im Nordviertel. Es gibt zwar soziale Probleme, die darf man nicht ausblenden. Hier springt der ein oder andere Dealer herum, dementsprechend auch Junkies, aber ich habe nicht das Gefühl, dass von denen eine Gefahr ausgeht. Hier sind sie noch ein Teil der Gesellschaft. Drei Begriffe zum Nordviertel? Vielfalt, Abwechslungsreichtum und Action. Action haben wir hier auf jeden Fall immer.